In der Erwachsenenpädagogik muss für Lehrende und Lernende maximale Transparenz gegeben sein. Durch die strukturellen Bedingungen von Erwachsenenbildung (z. B. höheres Alter der TeilnehmerInnen, die bestehende Freiwilligkeit, die zu vermittelnden Inhalte) ergeben sich bei den TeilnehmerInnen im allgemeinen andere Erwartungen und Voraussetzungen als im schulischen Bereich.
Umfassender als in der klassischen Curriculum-Theorie muss das Bestimmen bzw. Finden von Zielen in der Erwachsenenbildung auf reale Lebens- und Verwendungssituationen der TeilnehmerInnen bezogen sein. Nicht nur die spezielle Zielgruppe mit ihren jeweiligen Ansprüchen, Motivationen usw. sind zu berücksichtigen, sondern auch die voraussichtlich gegebenen Lernbiographien der TeilnehmerInnen, ihr bereits bestehendes Alltagswissen usw.
Da es sich in der Erwachsenenpädagogik im allgemeinen um „Anschlusslernen“ handelt, müssen die Ziele und dazugehörige Inhalte an die bisherigen lebensweltlichen Erfahrungen anschlussfähig sein. Bei der Zielformulierung sind nicht nur die vermuteten Erwartungen der TeilnehmerInnen und ihr bereits vorhandenes Wissen zu berücksichtigen, sondern auch ihr alltagsweltlicher Erfahrungshintergrund.
Durch bestimmte methodische Maßnahmen (z. B. TZI) ist eine Mitbeteiligung der TeilnehmerInnen erreichen. Dann haben die Lehrenden die Aufgabe, aus den situativen Bedingungen einer Lehrveranstaltung die jeweiligen Zielvorstellungen der TeilnehmerInnen im intersubjektiven Dialog zu ermitteln und zu helfen, diese prägnant zu machen.
Wegen der grundsätzlichen Lebenswelt-Bezogenheit der verwendeten methodischen Ansätze können curriculare Vorhaben hier immer nur ein konzeptionelles Grundgerüst bilden, das durch Erfahrungen der TeilnehmerInnen und ihre in die Zukunft gerichteten Vorstellungen erst ausdifferenziert werden muss.
Lerngruppen können neben dem „faktischen Zugewinn“ auch vielfältige mitmenschliche Erfahrungen im Sinne von Solidarität sowie Identitätsbildung erbringen. Gruppalen Lernstrukturen kommt deshalb in der Weiterbildung zur GesundheitpädagogIn grundlegende anthropologische Bedeutung zu.
Ein wesentlicher Baustein in der Weiterbildung ist der Interaktionsstil der LeiterInnnen. Dieser muss menschlich akzeptabel sein und auch animierenden Charakter haben, also die Lern- und Erfahrungslust fördern. In Korrespondenz mit den vermittelten Ansätzen muss eine phänomenologisch fundierte Deutungshaltung eingenommen werden.
Die Lehre verschiedener Handlungsmodelle setzt immer an den lebensweltlichen Erfahrungen der TeilnehmerInnen an und bringen diese als ganzheitliche Erfahrung, d.h. „szenische Erfahrungen“ in den Lehr-/Lerndialog ein. So wird Unterstützung geboten, das gegebene Erleben in Situationen neu zu strukturieren und auch durch die geäußerten Erfahrungen anderer Menschen anzureichern. Die Aufgabe der Lehrenden ist dann, gemeinsam mit den TeilnehmerInnen das wahrnehmungsmäßig Zugängliche strukturell zu erfassen, zu verstehen und zu erklären. Diese hermeneutisch orientierte Dialogpraxis beschränkt sich allerdings nicht auf Ausdeutung des Verbalen, sondern zieht auch präverbale Expressionen auf leiblicher Ebene ein, da Erfahrungen von Menschen im Verhältnis dieser Ansätze immer aus ganzheitlich gespeicherten Erlebnisprozessen resultieren.
Ein gleichermaßen reflexiver wie dialogorientierter Leiterstil ist über große Strecken angesagt, da durch diesen mehrperspektivische Deutungsweisen befördert werden.
Die didaktischen Inhalte haben sich aus folgenden Gesichtspunkten zu bestimmen:
- Die Inhalte stehen vor dem Hintergrund der vorab bestimmten Zielstruktur.
- Ihre Auswahl orientiert sich am aktuellen Stand wissenschaftlicher Diskussionen.
- Die Inhalte haben exemplarischen Charakter. Es werden jedoch relevante Inhalte gelehrt, in denen sich in möglichst prägnanter Weise der Lehrstoff verdichten läßt.
- Die gelehrten Inhalte sind „anschlussfähig“, d. h. sie knüpfen an den bereits bestehenden Möglichkeiten der TeilnehmerInnen an. Inhaltliche Vorgaben stellen einen
Orientierungsrahmen dar, der je nach Feldkompetenz, Vorbildung, speziellen
Interessenlagen der TeilnehmerInnen akzentualisiert wird.
Da es vor allem um den Erwerb professioneller Fähigkeiten geht, kommt der Einübung konzeptgerechter Theorie- und Methodenanwendung eine wesentliche Bedeutung zu. Die WeiterbildungskanditatInnen erhalten im Verlauf der Bildungsmaßnahmen Raum, Theorie- und Methodenanwendung des jeweiligen Ansatzes einzuüben bzw. diesbezüglich Fertigkeiten zu erwerben und zu entwickeln.
Förderung professioneller Kompetenz geschieht durch Vermittlung spezifischer Kenntnisse, grundlegender, rationaler Theorie- und Methodenvermittlung und der gezielten Anleitung zum Selbststudium.
Professionelle Fertigkeiten werden durch gezielte Übungen realisiert. Dabei arbeiten die TeilnehmerInnen auch miteinander zu bestimmten theoretischen und methodischen Fragestellungen. Diese eigenständige Anwendung von Theorie und Methode wird nachträglich begleitet und korrigiert.
Die Förderung des sozialen Engagements kann im Sinne von „kritisch-emanzipatorischen Fähigkeiten“ über rationale Beschulung gefördert werden. Kommunikativ-ethische Positionen lassen sich jedoch nur in zwischenmenschlichen Handlungsvollzügen realisieren.
Folgende didaktische Schwerpunkte haben der Arbeit zu Grunde zu liegen:
- rationale Theorie- und Methodenvermittlung
- Selbsterfahrung verschiedener Methoden und begleitetes Üben
- selbständiges Praktizieren einzelner Ansätze mit nachträglicher Beratung/Supervision
Entsprechend einem anthropologischen Postulat des integrativen Ansatzes, wonach der Mensch als Körper-Seele-Geist-Subjekt zu betrachten ist, sollten die beiden erstgenannten Schwerpunkte in jedem Seminar relevant sein. Die SeminarleiterInnen planen für jede Veranstaltung vorab eine entsprechende Seminarstruktur. Das methodische Design akzentuiert dann je nach den spezifischen Bedingungen bestimmte Schwerpunkte.
Bei der rationalen Theorie- und Methodenvermittlung kommen insbesondere zum Einsatz:
- Vorlesungen
- „mini-lectures“
- Anleitung zum Selbststudium
Neben dem rationalen Dialog werden kreative Medien aus Erlebnis aktivierenden Psychotherapieverfahren eingesetzt. |